Meditationsarten: Methoden verstehen und auswählen
Achtsamkeit, Atembeobachtung, Mantra, Zen oder bewegte Meditation: Lerne unterschiedliche Meditationsarten kennen und finde heraus, wie sie sich in Fokus, Ablauf und Praxis unterscheiden.
Achtsamkeit, Atembeobachtung, Mantra, Zen oder bewegte Meditation: Lerne unterschiedliche Meditationsarten kennen und finde heraus, wie sie sich in Fokus, Ablauf und Praxis unterscheiden.
Viele Wege zur Meditation
Meditation ist keine einzelne Technik. Der Begriff wird heute für sehr unterschiedliche Praktiken verwendet: für stille Aufmerksamkeit auf den Atem, für offene Beobachtung, Rezitation und Mantra, Visualisation, Gehmeditation, kontemplatives Gebet oder bewegte Formen.
Auch ihre Hintergründe unterscheiden sich. Manche Praktiken sind Teil buddhistischer, hinduistischer, yogischer, daoistischer, jüdischer, christlicher, islamischer oder anderer religiöser Traditionen. Andere werden heute bewusst religionsunabhängig vermittelt und praktiziert.
Deshalb gibt es nicht die eine vollständige Liste aller Meditationsarten. Hilfreicher sind zwei Fragen: Was geschieht während der Praxis? Und: Aus welchem Zusammenhang stammt sie?
Was geschieht in der Praxis?
Eine erste Orientierung gelingt über das, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest und was du während der Meditation tust. Diese Einteilung ist bewusst praktisch. Sie ersetzt nicht den religiösen oder historischen Zusammenhang einer Methode.
Diese Formen überschneiden sich. Eine geführte Meditation kann den Atem einbeziehen, eine Gehmeditation kann Achtsamkeit üben und eine religiöse Praxis kann Rezitation mit stiller Kontemplation verbinden. „Geführt“ beschreibt deshalb häufig eher die Art der Anleitung als eine eigene Meditationstradition.
Ohne religiöse Bindung
Ja. Heute werden zahlreiche Meditationsübungen ohne religiöse Bindung vermittelt. Du kannst beispielsweise deine Aufmerksamkeit auf den Atem, Körperempfindungen, Geräusche oder den gegenwärtigen Moment richten, ohne dafür eine bestimmte Glaubensüberzeugung übernehmen zu müssen.
Gleichzeitig lohnt sich ein Blick auf die Herkunft. Manche heute säkular vermittelten Übungen haben historische Berührungspunkte mit älteren religiösen oder philosophischen Traditionen. Das bedeutet weder, dass religionsunabhängige Meditation „unecht“ wäre, noch dass die ursprünglichen Traditionen auf moderne Aufmerksamkeitstechniken reduziert werden sollten.
Moderne Achtsamkeitsprogramme sind ein Beispiel für diese Entwicklung. Sie können Meditation in einen säkularen Bildungs- oder Gesundheitskontext stellen. Das ist jedoch nicht gleichbedeutend mit allen historischen Formen buddhistischer Meditation und schon gar nicht mit Meditation insgesamt.
Herkunft & Bedeutung
Meditative und kontemplative Praktiken sind in verschiedenen Regionen und Religionen entstanden. Ähnliche äußere Formen bedeuten dabei nicht automatisch dasselbe. Stilles Sitzen kann beispielsweise Teil eines buddhistischen Übungsweges, eines christlichen Gebetslebens oder einer modernen säkularen Praxis sein und jeweils anders verstanden werden.
Die folgenden Abschnitte sind deshalb keine Rangliste und keine vollständige Religionsgeschichte. Sie zeigen einige wichtige Zusammenhänge, aus denen bis heute praktizierte Meditationsformen stammen.
Der indische Kulturraum kennt eine große Vielfalt meditativer Traditionen. Auch „Yoga“ bezeichnet historisch nicht nur körperliche Übungen. Ein bekanntes Beispiel ist der klassische Yoga, wie er in den Yoga-Sūtras des Patañjali systematisiert wird.
In dessen achtgliedrigem Yogaweg folgen auf ethische Regeln, Körperhaltung, Atemregulation und das Zurückziehen der Sinne die Stufen Dhāraṇā, Dhyāna und Samādhi. Vereinfacht lassen sie sich als Konzentration, Meditation und zunehmende Versenkung beziehungsweise Absorption beschreiben. Dhyāna steht hier also nicht isoliert, sondern innerhalb eines umfassenderen philosophischen und praktischen Weges.
Mantra, Atem, Visualisation und andere meditative Verfahren begegnen darüber hinaus in unterschiedlichen hinduistischen und yogischen Traditionen. Ihre Bedeutung lässt sich nicht auf eine einzige „indische Meditation“ reduzieren.
Wenn dich der größere Zusammenhang zwischen Yoga und Meditation interessiert, findest du weitere Orientierung unter Yoga & Meditation.
Auch im Buddhismus gibt es nicht die eine Meditation. Unterschiedliche Schulen und Überlieferungslinien haben verschiedene Formen bewahrt und weiterentwickelt.
Häufig begegnen Begriffe wie Samatha für die Entwicklung von Ruhe und Sammlung und Vipassanā für Einsicht. Praktiken liebender Güte werden häufig mit dem Pali-Begriff Mettā bezeichnet. Welche Rolle eine konkrete Methode spielt und wie sie ausgeführt wird, hängt vom jeweiligen buddhistischen Zusammenhang ab.
Tibetisch-buddhistische Traditionen kennen wiederum eine große Bandbreite von Praktiken, darunter Visualisation, Rezitation und weitere Formen meditativer Schulung. Auch hier wäre „tibetische Meditation“ als einzelne Technik viel zu grob.
China hat mehrere eigenständige meditative Traditionen hervorgebracht beziehungsweise weiterentwickelt. Im chinesischen Buddhismus entstand Chan, aus dessen Überlieferung sich später unter anderem das japanische Zen entwickelte.
Daneben besitzt der Daoismus eigene kontemplative Traditionen. Historische daoistische Quellen beschreiben unter anderem innere Kontemplation, die Sammlung auf das Eine sowie unterschiedliche Visualisationspraktiken. Daoistische Meditation sollte deshalb nicht einfach als chinesische Variante buddhistischer Meditation verstanden werden.
Im japanischen Zen ist Zazen, die Sitzmeditation, eine grundlegende Praxis. Allerdings unterscheiden sich auch innerhalb des Zen die Übungswege.
Die Rinzai-Tradition ist unter anderem für die Arbeit mit Kōan bekannt. Ein Kōan ist nicht einfach ein Rätsel, das mit logischem Nachdenken gelöst werden soll, sondern Bestandteil einer spezifischen Zen-Schulung. In der Sōtō-Tradition spielt Shikantaza, häufig mit „nur sitzen“ wiedergegeben, eine zentrale Rolle.
Zazen nur als Technik zum Abschalten zu beschreiben, würde deshalb einen wesentlichen Teil seines buddhistischen Zusammenhangs ausblenden.
Auch im Judentum finden sich kontemplative und meditative Strömungen, allerdings gibt es ebenso wenig eine einzige „jüdische Meditation“. Gebet, Schrift, mystische Traditionen und bewusste Ausrichtung können dabei unterschiedliche Rollen spielen.
Ein wichtiger Begriff ist Kavvanah beziehungsweise Kavanah, der sich auf bewusste Intention und innere Ausrichtung beziehen kann. Aus der chassidischen Breslover Tradition ist außerdem Hitbodedut bekannt: eine persönliche, zurückgezogene Gebetspraxis, die besonders mit Rabbi Nachman von Breslov verbunden ist.
Solche Praktiken sind in ihrem religiösen Zusammenhang mehr als allgemeine Übungen zur Konzentration.
Stille, Meditation und Kontemplation besitzen auch im Christentum eine lange Geschichte. Dabei stehen sie traditionell in Beziehung zu Gebet, Schrift und Gottesbeziehung.
Ein Beispiel ist die Lectio Divina, bei der ein biblischer Text langsam gelesen, betrachtet und ins Gebet einbezogen wird. Daneben existieren verschiedene Formen stillen und kontemplativen Gebets. Innerhalb der christlichen Traditionen unterscheiden sich Praxis und theologische Einordnung.
Eine christliche Kontemplationspraxis lediglich als Atem- oder Entspannungsübung zu beschreiben, würde daher ihren religiösen Sinn verändern.
Im Islam spielt Dhikr, das Gedenken Gottes, eine bedeutende Rolle. Dhikr kann unter anderem durch die Wiederholung bestimmter Namen, Formeln oder Gebete praktiziert werden. Form und Bedeutung unterscheiden sich je nach religiösem Zusammenhang.
Besonders in sufischen Traditionen finden sich unterschiedliche Formen des Gottesgedenkens und der Kontemplation. Manche werden still, andere hörbar oder gemeinschaftlich ausgeführt; in bestimmten Überlieferungen können auch rhythmische Bewegung oder Musik eine Rolle spielen.
Dhikr einfach als „islamisches Mantra“ zu bezeichnen wäre irreführend: Äußerlich kann Wiederholung ähnlich erscheinen, religiöse Bedeutung und Bezugssystem sind jedoch andere.
Auch in der Sikh-Tradition spielt die bewusste Erinnerung an das Göttliche eine wichtige Rolle. Mit Begriffen wie Naam Simran wird die erinnernde beziehungsweise wiederholende Ausrichtung auf den göttlichen Namen beschrieben.
Diese Praxis steht innerhalb eines religiösen Lebenszusammenhangs und sollte deshalb nicht lediglich als Konzentrationstechnik verstanden werden.
Ähnliche Form, andere Bedeutung
Wer verschiedene Traditionen nebeneinander betrachtet, entdeckt schnell Ähnlichkeiten: Menschen sitzen still, beobachten den Atem, wiederholen Worte, gehen langsam oder richten ihre Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Gegenstand.
Trotzdem können Ziel und Bedeutung sehr verschieden sein. Die Wiederholung eines Mantras in einer hinduistischen Tradition, Dhikr im Islam und ein christliches wiederholendes Gebet sind nicht allein deshalb dieselbe Praxis, weil Sprache oder Klang wiederholt werden.
Eine Praxis kennenlernen
Statt nach der „besten“ Meditation zu suchen, kannst du zunächst überlegen, welche Form der Praxis dich interessiert. Das ist keine Persönlichkeitstypologie und auch kein Versprechen bestimmter Wirkungen. Es ist schlicht ein praktischer Ausgangspunkt.
Wenn du eine religiöse Tradition näher kennenlernen möchtest, suche möglichst nach Lehrenden und Quellen, die in dieser Tradition fundiert ausgebildet beziehungsweise verankert sind. Bei einer religionsunabhängigen Praxis darfst du ebenso klar darauf achten, dass sie auch tatsächlich ohne religiöse Verpflichtung vermittelt wird.
Anfangen
Für einen ersten Versuch brauchst du weder eine bestimmte Sitzhaltung noch eine umfangreiche Ausstattung. Wähle eine überschaubare Übung, einen Ort, an dem du für einige Minuten möglichst ungestört bist, und lerne zunächst den Ablauf kennen.
Gedanken während einer Meditation bedeuten nicht automatisch, dass du „falsch“ meditierst. Wie mit Ablenkung umgegangen wird, hängt von der jeweiligen Methode ab. Bei einer fokussierten Übung kann die Aufgabe beispielsweise darin bestehen, die Aufmerksamkeit nach einer Ablenkung wieder zum gewählten Gegenstand zurückzubringen.
Sitzen, knien oder gehen
Nein. Meditation ist nicht an ein bestimmtes Kissen gebunden. Je nach Praxis kannst du auf einem Kissen, einer Bank oder einem Stuhl sitzen, knien, stehen oder gehen.
Wenn du regelmäßig am Boden sitzen möchtest, kann eine geeignete Sitzunterstützung allerdings praktisch sein. Dabei ist nicht die möglichst „meditative“ Optik entscheidend, sondern ob Form und Höhe zu deiner Sitzweise passen. Unser Ratgeber Meditationskissen: die passende Sitzhöhe auswählen erklärt die Unterschiede genauer.
Weitere Sitzhilfen und Zubehör findest du im Bereich Meditation. Was davon sinnvoll ist, entscheidet deine Praxis – nicht die Vorstellung, wie ein Meditationsplatz auszusehen hat.
Forschung einordnen
Meditation und Achtsamkeit werden heute in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht. Dabei geht es unter anderem um psychisches Wohlbefinden, Stress, Angst, Schlaf oder körperliche Beschwerden. Die Ergebnisse lassen sich jedoch nicht pauschal auf jede Form von Meditation übertragen.
Ein Grund dafür ist die große Vielfalt der untersuchten Verfahren. Studien können sich beispielsweise mit standardisierten Achtsamkeitsprogrammen, einzelnen Meditationstechniken oder sehr unterschiedlichen Teilnehmergruppen beschäftigen. Auch Studiendesign, Dauer und Vergleichsgruppen unterscheiden sich.
Seriöse wissenschaftliche Einordnung bedeutet deshalb nicht: „Meditation wirkt.“ Präziser ist die Frage, welche Praxis bei welcher Gruppe unter welchen Bedingungen untersucht wurde und was dabei tatsächlich gemessen wurde.
Grenzen gehören zur Orientierung
Nein. Meditation wird häufig als risikoarme Praxis betrachtet, dennoch sind auch unangenehme oder belastende Erfahrungen dokumentiert. Dazu können beispielsweise verstärkte Angst oder andere psychische Belastungen gehören. Wie häufig solche Erfahrungen auftreten, lässt sich wegen unterschiedlicher Methoden und Studiendesigns nicht für sämtliche Meditationsformen mit einer einzigen Zahl beantworten.
Wenn eine Meditation dir deutlich nicht guttut, musst du sie nicht „durchhalten“. Beende oder verändere die Praxis und suche bei anhaltenden oder starken Beschwerden fachliche Unterstützung. Meditation ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnose oder Behandlung.
Unterschiede achten, Gemeinsamkeiten entdecken
Meditation hat keine einzige Herkunft und keine einzige Form. Menschen haben in unterschiedlichen Zeiten, Regionen und religiösen Traditionen eigene Wege der Sammlung, Kontemplation, Aufmerksamkeit, Wiederholung, Bewegung und Stille entwickelt. Ihre Bedeutungen sind verschieden und sollten es auch bleiben.
Gleichzeitig gibt es verbindende Erfahrungen: innehalten, die Aufmerksamkeit bewusst ausrichten, beobachten, wiederholen, still werden oder sich einer Frage, einem Gebet oder einem Gegenstand der Betrachtung zuzuwenden.
Du musst dafür keine bestimmte religiöse Überzeugung übernehmen. Ebenso wenig muss eine religiöse Praxis ihren ursprünglichen Sinn verlieren, damit wir ihr mit Interesse begegnen können. Man kann Unterschiede achten und trotzdem Gemeinsamkeiten entdecken.
Weiter erkunden
Wenn dich besonders die Verbindung von Meditation und Yoga interessiert, kannst du unter Yoga & Meditation weiterlesen. Einen größeren Überblick über unterschiedliche Yogaarten findest du in unserem Yoga-Guide.
Für deinen eigenen Meditationsplatz führt dich der Bereich Meditation zu Kissen, Matten, Hockern und weiterem Zubehör. Dabei bleibt die Reihenfolge dieselbe wie bei der Praxis selbst: erst herausfinden, was du tun möchtest – dann überlegen, was du dafür wirklich brauchst.
Häufige Fragen
Es gibt keine abschließende Liste. Praktiken lassen sich beispielsweise nach fokussierter Aufmerksamkeit, offenem Gewahrsein, Atem, Rezitation und Mantra, Visualisation, Mitgefühl, Gehen und Bewegung sowie kontemplativem Gebet unterscheiden. Viele Methoden verbinden mehrere dieser Elemente.
Nein. Meditation kann heute auch ohne religiöse Bindung praktiziert werden. Gleichzeitig stammen viele Meditationsformen aus religiösen und philosophischen Traditionen. Wer ihre Herkunft kennt, kann säkulare und religiöse Praxis besser voneinander unterscheiden.
Ein verständlicher Einstieg kann eine kurze, klar angeleitete Aufmerksamkeitsübung sein, beispielsweise mit dem Atem als Fokus. Entscheidend ist weniger ein bestimmtes Etikett als eine nachvollziehbare Anleitung und ein überschaubarer Einstieg.
Nein. Achtsamkeit kann Bestandteil bestimmter Meditationspraktiken sein, wird aber auch außerhalb formeller Meditation geübt. Umgekehrt arbeiten nicht alle Meditationsformen mit dem modernen Konzept von Achtsamkeit.
Zen ist eine buddhistische Tradition und nicht lediglich eine einzelne Meditationstechnik. Zazen ist die grundlegende Sitzpraxis des Zen; innerhalb verschiedener Zen-Schulen gibt es unterschiedliche Übungsformen wie Kōan-Praxis und Shikantaza.
Nein. Je nach Praxis kannst du beispielsweise auf einem Kissen, einer Bank oder einem Stuhl sitzen, knien, stehen oder gehen. Wenn du regelmäßig am Boden sitzt, kann eine passende Sitzhöhe hilfreich sein. Mehr dazu findest du im Ratgeber zur Sitzhöhe bei Meditationskissen.
Nein. Meditation kann eine persönliche oder spirituelle Praxis sein und wird auch wissenschaftlich in unterschiedlichen Zusammenhängen untersucht. Sie ersetzt jedoch keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnose oder notwendige Behandlung.